Ratgeber · Kennzahlen

Wie viel Umsatz macht eine Physiotherapiepraxis? Die Zahlen und was sie für deine Praxis bedeuten.

Im Schnitt sind es laut aktuellem Branchenreport rund 471.000 € im Jahr. Für deine Praxis sagt das allein wenig. Aussagekräftiger ist der Umsatz je Vollzeitkraft, und den kannst du in wenigen Minuten selbst ausrechnen.

Wer eine Praxis führt, gründet oder übernehmen will, sucht früher oder später nach einer Vergleichszahl. Die gibt es. Sie hilft aber nur, wenn du weißt, was sie misst und was nicht.

Die aktuellen Branchenwerte

Eine aktuelle und breite Datenquelle ist der Branchenreport Physiotherapie 2026 von ETL ADVISION und TT-DIGI. Er beruht auf einer bundesweiten Befragung von 500 Praxen.

Kennzahl Report 2026 Vorjahr
Bruttojahresumsatz je Praxis471.000 €415.000 €
Umsatz je therapeutischer Vollzeitkraft115.200 €110.000 €
Therapeutische Vollzeitäquivalente je Praxis4,244,40

Der Umsatz je Praxis liegt damit 13,5 Prozent über dem Vorjahreswert, obwohl im Schnitt weniger Vollzeitkapazität zur Verfügung steht. Das ist eine Befragung und keine amtliche Statistik. Beide Jahre lassen sich deshalb nur als Tendenz vergleichen.

Quelle: ETL ADVISION / TT-DIGI, Branchenreport Physiotherapie 2026, Zahlen wiedergegeben nach IWW, PP 08/2026.

Umsatz nach Rechtsform

Die Spanne ist groß. Das zeigt schon die Aufteilung nach Rechtsform:

Rechtsform Anteil der Praxen Jahresumsatz Je Vollzeitkraft
Einzelunternehmen68,4 %395.200 €109.650 €
Personengesellschaft25,8 %633.900 €119.430 €
Kapitalgesellschaft5,8 %1.025.000 €151.840 €

Teilt man den Umsatz durch den Wert je Vollzeitkraft, kommt man rechnerisch auf rund 3,6, 5,3 und 6,8 Vollzeitstellen. Ein großer Teil des Abstands ist also schlicht Praxisgröße. Daraus folgt nicht, dass ein Wechsel der Rechtsform mehr Umsatz bringt.

Rechnerische Orientierung nach Praxisgröße

Überträgst du den Branchenwert von 115.200 € auf verschiedene Praxisgrößen, ergibt sich dieses Bild:

Therapeutische Vollzeitstellen Rechnerische Orientierung
2rund 230.000 €
4rund 460.000 €
6rund 690.000 €
8rund 920.000 €

Modellrechnung von K&M auf Basis des Branchenwerts, keine Erwartung oder Prognose für deine Praxis.

Durchschnitte lassen sich dabei nicht exakt ineinander umrechnen: 4,24 Stellen mal 115.200 € ergäben rund 488.000 € und nicht 471.000 €. Nimm die Werte deshalb als Größenordnung und nicht als Sollzahl auf den Euro.

So berechnest du deinen eigenen Vergleichswert

Dafür brauchst du zwei Zahlen aus demselben Jahr:

  1. deinen Jahresumsatz,
  2. deine therapeutischen Vollzeitäquivalente. Teilzeitkräfte zählen anteilig, und wenn du selbst behandelst, zählst du mit.

Ein Modellbeispiel: Inhaber und ein Vollzeit-Therapeut zählen je 1,0, dazu kommen zwei Therapeuten mit je 75 Prozent. Das sind 3,5 Vollzeitäquivalente.

Jahresumsatz380.000 €
therapeutische Vollzeitäquivalente3,5
Umsatz je Vollzeitkraftrund 108.600 €

Liegst du deutlich unter dem Branchenwert, ist das kein Urteil über deine fachliche Arbeit. Es ist ein Hinweis, dass Kapazität, Leistungsmix oder Ausfälle näher betrachtet werden sollten. Am meisten zeigt ohnehin der Vergleich mit deinen eigenen Vorjahren.

Genauer wird es pro Stunde:

Der Wert je Vollzeitkraft zeigt nicht, wie viele Stunden wirklich behandelt wurden. Das zeigt der Umsatz pro Stunde.

Was den Umsatz deiner Praxis bestimmt

01

Verfügbare Behandlungszeit

Mehr Stellen erhöhen den Umsatz, aber auch die Kosten. Spannend ist deshalb die Frage, wie viel bezahlte Zeit tatsächlich am Patienten ankommt.

02

Terminmix

Dauer, Vergütung und benötigte Qualifikation unterscheiden sich je Termin. Mehr dazu bei den Buchungsgründen.

03

Ausfälle und Lücken

Eine nicht genutzte Stunde kostet Personal und Raum weiter, bringt aber keinen Umsatz. Hier hilft eine klare Terminplanung.

04

Selbstzahlerleistungen

Laut Branchenreport bieten 86,8 Prozent der Praxen solche Leistungen an, im Schnitt 6,5 je Praxis. Welchen Anteil sie am Umsatz haben, geht aus den uns vorliegenden Zahlen nicht hervor.

05

Rahmenbedingungen ab 2027

Die Vergütung darf 2027 bis 2029 höchstens um die Grundlohnrate minus einen Prozentpunkt steigen. Was das bedeutet, steht im Ratgeber zum GKV-Spargesetz.

Umsatz ist nicht Gewinn

Von den Praxen, die im Branchenreport Angaben zum Gewinn gemacht haben, liegen rund 80 Prozent bei bis zu 100.000 € im Jahr, etwa 19 Prozent zwischen 100.000 € und 250.000 € und 1,3 Prozent darüber.

Zwei Praxen mit gleichem Umsatz können also sehr unterschiedlich dastehen. Dazu kommt die Frage, wie viel deiner eigenen Arbeitszeit hinter dem Ergebnis steckt.

Häufige Fragen

Umsatz der Physiotherapiepraxis kurz beantwortet.

Wie viel Umsatz macht eine Physiotherapiepraxis im Jahr?

Laut Branchenreport Physiotherapie 2026 liegt der durchschnittliche Bruttojahresumsatz bei 471.000 €. Der Wert stammt aus einer Befragung von 500 Praxen und schwankt stark mit der Praxisgröße.

Wie viel Umsatz macht ein Physiotherapeut pro Jahr?

Der Branchenreport nennt im Mittel 115.200 € Umsatz je therapeutischer Vollzeitkraft. Teilzeitkräfte zählen anteilig, ein behandelnder Inhaber zählt mit.

Wie berechne ich den Umsatz je Vollzeitkraft?

Teile den Jahresumsatz durch die therapeutischen Vollzeitäquivalente. Zwei Therapeuten mit je 50 Prozent ergeben zusammen ein Vollzeitäquivalent. Für den Vergleich sollten Umsatz und Stellen aus demselben Jahr stammen.

Wie viel Gewinn bleibt vom Umsatz übrig?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Laut Branchenreport erzielen rund 80 Prozent der Praxen, die dazu Angaben gemacht haben, einen Jahresgewinn von bis zu 100.000 €. Entscheidend sind Personal- und Raumkosten, Rechtsform und die Arbeitszeit des Inhabers.

Stephan King, Physiotherapeut und Praxisinhaber

Über den Autor

Stephan King

Physiotherapeut und Mitinhaber einer laufenden Physiotherapiepraxis in München. Bei K&M beschäftigt er sich mit Praxisorganisation, Terminsteuerung und wirtschaftlichen Praxisprozessen aus der Perspektive des tatsächlichen Betriebs.

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